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Die 5 nervigsten Kundenfragen

Der größte Feind des Antiquars ist weder die Bücherlaus noch das Papierfischchen, ja nicht einmal der Steuerprüfer oder die Deutsche Post. Der Terror kommt auf vielfältigen Wegen: Manchmal kündet ein harmlos anmutendes Telefonläuten den nächsten Streich an, meist aber kommt er elektronischen Weges, per E-Mail. Der Urheber aber ist immer vom gleichen Schlag. Der unangefochtene König des Unbills, das ist mit Abstand der Kunde.

Jeder Antiquar und jede Antiquarin kennt sie, diese Telefonate und Mail-Korrespondenzen, die einen die Augen bis zum Schielen verdrehen, die Kiefer fest aufeinander pressen und die Fingernägel in der eichenen Schreibtischplatte versinken lassen. Nachfolgend kommt unser Best of der immer wiederkehrenden Raserei-Garanten.


1. Die nachträgliche Adressänderung

Diese Anfrage gibt es in mehreren Varianten: Vom eher seltenen „Ich bin gerade umgezogen“-Fall (das passiert ja schonmal spontan) über „Ich hätte das Buch nun doch lieber an meine Privatadresse“ und „Der Chef mus…
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Fachpresse, die Zweite

Bevor die Meldung völlig überholt ist, möchten wir nun an dieser Stelle noch einmal auf ein anderes Medium querverweisen: Wir freuen uns sehr über die Veröffentlichung in der aktuellen (Print-) Ausgabe von "Aus dem Antiquariat"!

Der Beitrag ist eine Kurzusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse meiner Masterarbeit "Strategic Business Model Management in the Antiquarian Book Market", mit der ich (Johanna Fröwis) vor etwas über einem Jahr mein MBA-Studium abgeschlossen habe.

Die Zeitschrift ist in verschiedenen Abonnements oder als Einzelheft hier erwerblich.


Tapete

Mein Einstieg in des professionelle Resale-Business begann mit Tapete.

Genauer gesagt: Mit einer gebrauchten Tapeten-Druckmaschine.
Ein aus insgesamt 16 Druckwerken bestehendes Monstrum, das mit allen zur Verfügung stehenden Druckverfahren (Tiefdruck, Offset, Hochdruck) Papier bedruckte, welches der Käufer an die Wände seiner Wohnung kleben konnte. Diese Maschine stand in Bonn-Beuel in einer alten, ausgedehnten Fabrikanlage (genannt die Rheintapete), die ein cleverer Bauunternehmer im Zuge einer Insolvenzauktion ersteigert hatte.
Ich stand damals (Mitte der 80er) nach einer unorthodoxen Ausbildungskarriere kurz vor der Meisterprüfung als Drucker und war von einem der vielen Handelsuntehmen für gebrauchte graphische Maschinen shanghait worden, die sich in Wakefield (vordem fiel mir zu diesem Namen nur der Vikar von Oliver Goldsmith ein) angesiedelt hatten und sich untereinander bis aufs Messer bekriegten.
Jetzt also galt es: Blaumann aus, Businessanzug an, Krawatte um.

Die erste Aufgab…

Der Vater: Wie man lernt, das Haus voller Bücher zu leeren

Never ending story oder: Same procedure as last time. Aus dem antiquarischen Arbeitsalltag.

Kommt ja häufiger vor: Das Telefon klingelt, am anderen Ende der Leitung ein Bücherproblem. Das Bücherproblem hat die Bücher geerbt und ein Problem damit oder das Bücherproblem will umziehen und die Bücher sind das Problem dabei oder...
Das Problem sind immer die Bücher.
Weil es so viele sind. Weil man sie nicht mehr braucht. Weil man Angst davor hat, sie könnten im Müll landen. Weil man sie zwar schon der Alma Mater, dem Museum und auch dem Stadtarchiv angeboten hat, aber alle haben mehr oder weniger freundlich abgelehnt (wenn sie sich überhaupt gemeldet haben). Wenn also alles nicht mehr hilft - dann ruft man den Bücherjuden an. Der will zwar mit den Büchern Geld verdienen, aber sei's drum. Kommt ja kein anderer. So entsteht ein Besichtigungstermin und der Antiquar (oder die Antiquarin, Anm. des Lektorats) steht vor der Bücherwand.
Wenn es gut läuft, ist es schlimmes Zeug. Dann schaut man…

LEBENVONBUECHERN im Börsenblatt

Heute gibt es nur eine kurze Notiz aus erfreulichem Anlass: LEBENVONBUECHERN wird in der Antiquariatsrubrik des Börsenblatts in der Meldung Varia Antiquaria 140 empfohlen (hier geht's zur Meldung). Vielen Dank noch einmal an den zuständigen Redakteur Dr. Björn Biester!

Was 2019 im Antiquariat anders ist

Das gerade eben zu Ende gegangene Jahr 2018 hatte den sonst doch im Allgemeinen eher meditativ eingestellten Antiquaren eine ganze Menge Trubel zu bieten.  2019 wird aber auch nicht besser.
2018 im Schnelldurchlauf: Mitte des Jahres rollte Marktriese Momox, auf Kundenseite besser als Medimops bekannt, eine echte Großoffensive aus und goss eine wahre Flut an ISBN-Titeln und Preiskampfansagen ins Netz; gegen Ende des Jahres zeigte dann Abebooks sein wahres relentless.com-Gesicht und schloss kurzerhand eine Reihe von Nationen aus Kreditkartenabwicklungs-Gründen vom Handel über die Plattform aus. Die ILAB rief weltweit Antiquare in die Gefechtsgräben und es kam zur legendären "Banned Booksellers Week", in der Bestände für Millionenbeträge "Urlaub machten". Abebooks gab klein bei und alle konnten mit dem guten Gefühl des Revolutionserfolges ins Weihnachtsgeschäft und die anschließenden Feiertage gehen.
Allein, viel Zeit zum Durchatmen blieb den Antiquarinnen und Antiqua…

Tage in Burma: Antiquarin auf Hochzeitsreise

Es soll ja Bücherfreunde geben, die ihre Flitterwochen vorzeitig abbrechen mussten, weil das Reisebudget durch "unvorhergesehene" Ausgaben merklich dezimiert wurde. Das, so sei gleich verraten, ist unserer reisenden Antiquarin nicht passiert. Ein paar (Bücher-)Beobachtungen aus der und über die Ferne bleiben der geneigten Blogleserin oder dem -leser aber natürlich trotzdem nicht erspart.
Denkt man an Kleidung, Essen oder Dienstleistungen jeglicher Art, wird es auch eher schwierig, in Myanmar das Reisebudget zu sprengen. Geht man auf Ballonfahrt oder interessiert man sich für Gold und Juwelen sieht es gleich schon etwas anders aus. Was soll ich sagen, zu den Kardinaltugenden des antiquarischen Unternehmers zählt nicht zuletzt das Schatzjäger-Gen - und das ist bei mir definitiv nicht zu kurz gekommen. Dieses auszuleben bietet Myanmar zweifelsohne genug Gelegenheiten: Ob bei Bootsfahrten, die einen zu Seidenwebereien oder Silberschmieden auf (!) einem See oder zu …