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Tapete

Mein Einstieg in des professionelle Resale-Business begann mit Tapete.

Genauer gesagt: Mit einer gebrauchten Tapeten-Druckmaschine.
Ein aus insgesamt 16 Druckwerken bestehendes Monstrum, das mit allen zur Verfügung stehenden Druckverfahren (Tiefdruck, Offset, Hochdruck) Papier bedruckte, welches der Käufer an die Wände seiner Wohnung kleben konnte. Diese Maschine stand in Bonn-Beuel in einer alten, ausgedehnten Fabrikanlage (genannt die Rheintapete), die ein cleverer Bauunternehmer im Zuge einer Insolvenzauktion ersteigert hatte.
Ich stand damals (Mitte der 80er) nach einer unorthodoxen Ausbildungskarriere kurz vor der Meisterprüfung als Drucker und war von einem der vielen Handelsuntehmen für gebrauchte graphische Maschinen shanghait worden, die sich in Wakefield (vordem fiel mir zu diesem Namen nur der Vikar von Oliver Goldsmith ein) angesiedelt hatten und sich untereinander bis aufs Messer bekriegten.
Jetzt also galt es: Blaumann aus, Businessanzug an, Krawatte um.

Die erste Aufgabe im …
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Der Vater: Wie man lernt, das Haus voller Bücher zu leeren

Never ending story oder: Same procedure as last time. Aus dem antiquarischen Arbeitsalltag.

Kommt ja häufiger vor: Das Telefon klingelt, am anderen Ende der Leitung ein Bücherproblem. Das Bücherproblem hat die Bücher geerbt und ein Problem damit oder das Bücherproblem will umziehen und die Bücher sind das Problem dabei oder...
Das Problem sind immer die Bücher.
Weil es so viele sind. Weil man sie nicht mehr braucht. Weil man Angst davor hat, sie könnten im Müll landen. Weil man sie zwar schon der Alma Mater, dem Museum und auch dem Stadtarchiv angeboten hat, aber alle haben mehr oder weniger freundlich abgelehnt (wenn sie sich überhaupt gemeldet haben). Wenn also alles nicht mehr hilft - dann ruft man den Bücherjuden an. Der will zwar mit den Büchern Geld verdienen, aber sei's drum. Kommt ja kein anderer. So entsteht ein Besichtigungstermin und der Antiquar (oder die Antiquarin, Anm. des Lektorats) steht vor der Bücherwand.
Wenn es gut läuft, ist es schlimmes Zeug. Dann schaut man…

LEBENVONBUECHERN im Börsenblatt

Heute gibt es nur eine kurze Notiz aus erfreulichem Anlass: LEBENVONBUECHERN wird in der Antiquariatsrubrik des Börsenblatts in der Meldung Varia Antiquaria 140 empfohlen (hier geht's zur Meldung). Vielen Dank noch einmal an den zuständigen Redakteur Dr. Björn Biester!

Was 2019 im Antiquariat anders ist

Das gerade eben zu Ende gegangene Jahr 2018 hatte den sonst doch im Allgemeinen eher meditativ eingestellten Antiquaren eine ganze Menge Trubel zu bieten.  2019 wird aber auch nicht besser.
2018 im Schnelldurchlauf: Mitte des Jahres rollte Marktriese Momox, auf Kundenseite besser als Medimops bekannt, eine echte Großoffensive aus und goss eine wahre Flut an ISBN-Titeln und Preiskampfansagen ins Netz; gegen Ende des Jahres zeigte dann Abebooks sein wahres relentless.com-Gesicht und schloss kurzerhand eine Reihe von Nationen aus Kreditkartenabwicklungs-Gründen vom Handel über die Plattform aus. Die ILAB rief weltweit Antiquare in die Gefechtsgräben und es kam zur legendären "Banned Booksellers Week", in der Bestände für Millionenbeträge "Urlaub machten". Abebooks gab klein bei und alle konnten mit dem guten Gefühl des Revolutionserfolges ins Weihnachtsgeschäft und die anschließenden Feiertage gehen.
Allein, viel Zeit zum Durchatmen blieb den Antiquarinnen und Antiqua…

Tage in Burma: Antiquarin auf Hochzeitsreise

Es soll ja Bücherfreunde geben, die ihre Flitterwochen vorzeitig abbrechen mussten, weil das Reisebudget durch "unvorhergesehene" Ausgaben merklich dezimiert wurde. Das, so sei gleich verraten, ist unserer reisenden Antiquarin nicht passiert. Ein paar (Bücher-)Beobachtungen aus der und über die Ferne bleiben der geneigten Blogleserin oder dem -leser aber natürlich trotzdem nicht erspart.
Denkt man an Kleidung, Essen oder Dienstleistungen jeglicher Art, wird es auch eher schwierig, in Myanmar das Reisebudget zu sprengen. Geht man auf Ballonfahrt oder interessiert man sich für Gold und Juwelen sieht es gleich schon etwas anders aus. Was soll ich sagen, zu den Kardinaltugenden des antiquarischen Unternehmers zählt nicht zuletzt das Schatzjäger-Gen - und das ist bei mir definitiv nicht zu kurz gekommen. Dieses auszuleben bietet Myanmar zweifelsohne genug Gelegenheiten: Ob bei Bootsfahrten, die einen zu Seidenwebereien oder Silberschmieden auf (!) einem See oder zu …

Bücher vom Nachttisch: Was wir so lesen

„Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?“ ist als eine der Klassikerfragen im Bewerbungsgespräch gefürchtet und als mehr oder weniger zuverlässiger Gradmesser intellektueller Kompetenz im Partygespräch hinlänglich bekannt. Gute Buchempfehlungen auf der anderen Seite sind ein rares Gut. Zwar sind die Feuilletons der großen Tages- und Wochenzeitungen stets gefüllt mit Hinweisen, was die Frau oder der Mann von Welt aktuell gelesen haben muss, doch mit dem eigenen Geschmack beziehungsweise echtem Lesevergnügen hat das nicht unbedingt immer viel zu tun.
Wir widmen uns im Folgenden zudem ausdrücklich nicht neu erschienenen Büchern, sondern möchten Ihnen Einblicke in unsere ganz eigenen Lesewelten geben - sozusagen Buchtipps vom Nachttisch des Antiquars. Von den Nachttischen muss es korrekterweise heißen, denn es kommt ja die ganze Belegschaft zu Wort.

Sonja, 66 - Die Chefin Lesen ist für mich alles: Unterhaltung, Entspannung, Rückzug aus dem Alltag und vieles mehr. Am liebsten lese ich im B…

Die Tochter: Ein Haus voller Bücher

Es war nicht leicht, diesen ersten Blogeintrag zu schreiben. Es soll um die Krull GmbH gehen, die ich lieber bei dem Namen ihres Webauftrittes nenne, "Das feine Buch". Das feine Buch ist ein Versandantiquariat, das es seit 2007 gibt; es wird von meinen Eltern betrieben. Inzwischen ist 2018 und nachdem ich mir als magistrierte Philosophin und Anglistin noch ein Wirtschaftsstudium um die Ohren gehauen und dieses Jahr mit einer Abschlussarbeit über das Geschäftsmodell der Krull GmbH beendet habe, bin ich mit an Bord: Zu allem Studierelend bin ich nun sozusagen auch noch einmal in die Ausbildung gegangen. Wie der findige Leser ahnen mag, ist das für alle Beteiligten nicht immer einfach, aber auch schön. Es erfordert viel Kommunikation, Dialog. Dieser Blog ist Teil des Dialogs. Also fange ich einfach an - mit dem Versuch einer Erklärung. Warum mache ich das eigentlich?
Seit ich denken kann, habe ich in Räumen voller Bücher gelebt. Die Häuser, in denen die Räume si…