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Was 2019 im Antiquariat anders ist

Das gerade eben zu Ende gegangene Jahr 2018 hatte den sonst doch im Allgemeinen eher meditativ eingestellten Antiquaren eine ganze Menge Trubel zu bieten.  2019 wird aber auch nicht besser.

2018 im Schnelldurchlauf: Mitte des Jahres rollte Marktriese Momox, auf Kundenseite besser als Medimops bekannt, eine echte Großoffensive aus und goss eine wahre Flut an ISBN-Titeln und Preiskampfansagen ins Netz; gegen Ende des Jahres zeigte dann Abebooks sein wahres relentless.com-Gesicht und schloss kurzerhand eine Reihe von Nationen aus Kreditkartenabwicklungs-Gründen vom Handel über die Plattform aus. Die ILAB rief weltweit Antiquare in die Gefechtsgräben und es kam zur legendären "Banned Booksellers Week", in der Bestände für Millionenbeträge "Urlaub machten". Abebooks gab klein bei und alle konnten mit dem guten Gefühl des Revolutionserfolges ins Weihnachtsgeschäft und die anschließenden Feiertage gehen.

Allein, viel Zeit zum Durchatmen blieb den Antiquarinnen und Antiquaren nicht: 2019 hatte sich schon warm gemacht und der Wind of Change bläst seither fröhlich weiter. Allen Kolleginnen und Kollegen, die sich noch etwas müde den Winterschlaf aus den Augen reiben und allen Kundinnen und Kunden (ich weiß, es nervt, aber wir haben 2019 und keine und keiner soll sich nur "mitgemeint" fühlen müssen), die sich jetzt schon darüber wundern, dass nicht nur der ÖPNV, sondern auch Versandkosten empfindlich teurer werden, möchten wir im Folgenden die wichtigsten Änderungen näherbringen.

Warensendung international: Die Post entdeckt den Beta-Test
Zum Leidwesen und zur großen Trauer aller Versandbuchhändler in der Bundesrepublik hat sich die Deutsche Post entschieden, die Büchersendung ins Ausland abzuschaffen. Der liebgewonnene Kilotarif findet damit keine Anwendung mehr, der große gelbe Logistikdienstleister wirbt nun hingegen frisch und eher frech mit "Belgien oder USA - der Preis ist der gleiche". So weit, so verschmitzt (und auch nicht ganz wahr), unterm Strich ist der Versand ins Ausland jedenfalls sehr merklich teurer geworden. Vor allem oberhalb der 500-Gramm-Grenze, vor allem ins EU-Ausland - insbesondere von Schweizer Bücherfreunden häufen sich nun die bösen E-Mails. 
Und als wäre Schimpf und Schande nicht schon schlimm genug: Einfacher ist der Prozess wirklich nicht geworden. Alles muss online eingegeben werden, inklusive Zollerklärung, Telefonnummer und E-Mail-Adresse (darf man das im DSGVO-Zeitalter überhaupt noch, liebe Post?), das Erstellen der Paketmarke "kann einige Zeit dauern" (eine wohlweislich wage gewählte Angabe). So ganz ausgereift scheint die "Warensendung international" noch nicht zu sein, die Kollegenschaft betätigt sich derweil als Beta-Tester. Das Feedback bis hierher ist, nun ja, nicht ausschließlich positiv, die Anwendung indes leider alternativlos. Wir harren der Dinge, die da kommen mögen. (Und lesen so lange zum Beispiel diesen Kommentar des geschätzten Kollegen Plocher.)

Verpackungsverordnung: Moderner Ablasshandel zur Klimarettung
Der Planet befindet sich im Untergang, außer Donald Trump wissen das inzwischen ja eigentlich alle. Einen nicht zu unterschätzenden Untergangsbeitrag leisten alle, die furchtbarerweise ALLES MÖGLICHE im Internet bestellen. Zurecht und voll der Empörung wurde also beschlossen, die kapitalistischen Großmächte, die den Opportunismus der tumben Bevölkerung in dieser Hinsicht zu ihren Gunsten ausnutzen, zur Verantwortung zu ziehen und für die völlig unnötige Verschwendung von Ressourcen durch gedankenlosesten Einsatz von Verpackungsmaterial zu bestrafen, indem man sie zur Kasse bittet.
Aus diesem Grund müssen also ab sofort alle Erstinverkehrsbringer von Verpackungsmaterialien Gebühren für diese schreckliche Umweltverschmutzung bezahlen. Warum auch Leute, die recyclete Bücher verkaufen, diese artig in die schon gelesene FAZ vom Vortag einwickeln und dann in teuer bezahlten (weil über einen Handelsverkehr erworbenen) Verpackungen zu horrenden Versandkosten an wütende Schweizer Kundinnen oder Kunden schicken, Erstinverkehrsbringer sind, erschließt sich dem weniger philosophischen Gemüt vielleicht nicht sofort, aber ES IST SO.
Deshalb ist zu Erlangung der Klima-Absolution Folgendes zu tun:
1. Bei LUCID registrieren. So wird Transparenz geschaffen. Und Transparenz ist fast so wichtig wie den Planet zu retten an sich.
2. Mit der so erlangten Herstellerregistrierung (fragen Sie jetzt nicht, wieso Hersteller!) zu einem anerkannten Ablasshändler gehen (unserer beginnt mit R, aber ich will und darf bestimmt auch keine Werbung machen) und dort SELBST EINSCHÄTZEN, wie viel Kilo Papier oder Plastik (oder Metall oder wasweißich) man pro Jahr in Verkehr bringt.
3. Am besten mit Frühbucherrabatt den Ablass bezahlen.
Danach unbedingt vergessen. Darüber nachdenken ist zu schmerzhaft.

Alle weiteren Änderungen bei Das feine Buch sind eher individueller Natur, aber auch dabei spielen Kundenservice-Hotlines, Kopf-gegen-die-Wand-schlagen-Bedürfnisse und der Passierschein A38 (oder war es 28?) eine Rolle. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Frohes neues Jahr!




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